{"id":77,"date":"2017-07-30T21:42:24","date_gmt":"2017-07-30T21:42:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sy-ladysunshine.de\/?p=77"},"modified":"2023-01-24T21:45:25","modified_gmt":"2023-01-24T21:45:25","slug":"30-7-2017-auszeit-vom-segeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sy-ladysunshine.de\/index.php\/2017\/07\/30\/30-7-2017-auszeit-vom-segeln\/","title":{"rendered":"30.7.2017 &#8211; Auszeit vom Segeln"},"content":{"rendered":"\n<p>\u00dcber ein Jahr sind wir nun unterwegs, 8100sm sind wir in etwa in dieser Zeit gesegelt, 16 L\u00e4nder haben wir bereist, unz\u00e4hlige Str\u00e4nde gesehen, in 83 unterschiedlichsten Buchten geankert und das Boot in 27 H\u00e4fen vert\u00e4ut. Mal einsam, mal in Gesellschaft von vielen anderen Seglern unterschiedlichster Nationen. Wir haben interessante und sehr intensive Bekanntschaften geschlossen, die sicherlich auch nach unserer Segelreise noch wichtig f\u00fcr uns sein werden, da man unvergessliche Erlebnisse miteinander geteilt hat.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Neben dem sch\u00f6nen Unvergesslichen, gab es ebenfalls Momente, die ich lieber vergessen w\u00fcrde, die aber genauso zu dieser Reise und wohl zum Segeln dazugeh\u00f6ren: Wir haben Wind und Welle getrotzt. Nachts im Dunkeln stundenlang vor Anker unter Motor das Schiff vom Riff ferngehalten, w\u00e4hrend ein Squall nach dem anderen durchzog und uns Regen durchs Gesicht peitschte. Wir hatten Motorversagen mitten beim Ankern, der Anker slippte, und nur durch die Hilfe anderer Segler wurden wir nicht auf ein Riff&nbsp; getrieben. Eine Nacht und einen Tag vor Anker haben wir den Sturm Bret abgewettert, der Hurrikanpotenzial hatte. Andere Boote neben uns slippten und suchten mitten im Sturm immer wieder neu nach einem besseren Ankerplatz. Das Gef\u00fchl v\u00f6lliger Beh\u00f6rdenwillk\u00fcr ausgeliefert zu sein, m\u00f6chte ich ebenfalls nicht noch einmal erleben m\u00fcssen. Auch diese Erlebnisse geh\u00f6ren zum Segeln und Reisen dazu. Trotzdem sind wir (immer noch) unterwegs, auf dem Weg zu weiteren unbekannten L\u00e4ndern, unz\u00e4hligen Buchten und auf der Suche nach netten Begegnungen, die diese Reise so bereichern.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Nach \u00fcber einem Jahr auf dem Boot, freuen wir uns nun auf eine kleine Auszeit vom Segeln und auf einen f\u00fcnfw\u00f6chigen Heimaturlaub in Deutschland. Es gibt Dinge, neben unserer Familie und Freunde, die wir seit einem Jahr vermissen:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Nicht im Vorhinein \u00fcberlegen zu m\u00fcssen, was ich wann in der n\u00e4chsten Woche (oder vier Wochen) essen m\u00f6chte, sondern einfach jederzeit in den Supermarkt gehen zu k\u00f6nnen und mir das zu kaufen, worauf ich gerade Lust habe&nbsp;<\/li>\n\n\n\n<li>Eine Butter aus dem K\u00fchlschrank nehmen, ohne gleich den ganzen K\u00fchlschrank ausr\u00e4umen zu m\u00fcssen und sie dann doch nicht zu finden<\/li>\n\n\n\n<li>Ein Licht im K\u00fchlschrank<\/li>\n\n\n\n<li>Erdbeeren<\/li>\n\n\n\n<li>Einfach mal die T\u00fcr schlie\u00dfen zu k\u00f6nnen, oder aus dem Raum zu gehen ist ein Traum!&nbsp;<\/li>\n\n\n\n<li>Mehr als zwei Flammen zum Kochen benutzen<\/li>\n\n\n\n<li>Kein Geschirr mit Salzwasser vorsp\u00fclen, sondern einfach in den Geschirrsp\u00fcler r\u00e4umen, Klappe zu und vergessen bis es von alleine sauber und trocken ist<\/li>\n\n\n\n<li>Wasser ohne Bedenken aus dem Wasserhahn trinken k\u00f6nnen, ohne es vorher selbst mit dem Wassermacher herstellen zu m\u00fcssen<\/li>\n\n\n\n<li>Ich freue mich darauf, wieder einmal Salz aus einem Salzstreuer zu sch\u00fctteln, das nicht durch die ewige feuchte Luft im Schiff verkrustet und verklebt nicht durch die kleinen L\u00f6cher im Streuen passen m\u00f6chte&nbsp;<\/li>\n\n\n\n<li>Babysitter bzw. Gro\u00dfeltern zum Kinder aufpassen einspannen k\u00f6nnen \ud83d\ude09<\/li>\n\n\n\n<li>Ich sehne mich nach einer Dusche, die einfach endlos Wasser \u00fcber meinen Kopf sprudeln l\u00e4sst und ohne, dass ich den Duschkopf selber \u00fcber meinen Kopf festhalten muss und Ben bereits nach dem ersten Abduschen \u00fcber die Wassermassen meckert, die ich wieder einmal verbraucht habe<\/li>\n\n\n\n<li>W\u00e4sche, die nicht st\u00e4ndig salzig ist oder sogar noch Stockflecken aufweist und per Hand im Salzwasser gewaschen werden muss, sondern die man schnell einmal in die Waschmaschine stecken kann. Und dann sogar nebenbei auch noch andere Dinge erledigen kann und nicht den ganzen Tag im Waschraum darauf warten muss<\/li>\n\n\n\n<li>Kein morgendliches Antreten zur Sonnencreme- oder abendliches Antreten zur M\u00fcckencremeparade mehr<\/li>\n\n\n\n<li>Eine Toilette, bei der man die T\u00fcr schlie\u00dfen kann, ohne sich vor Hitze wie in einer Sauna zu f\u00fchlen<\/li>\n\n\n\n<li>Nicht erst ins Dinghi steigen und nass am Land ankommen, sondern einfach aus der Haust\u00fcr gehen und schon ist man drau\u00dfen, kann sich bewegen<\/li>\n\n\n\n<li>Keine unruhigen N\u00e4chte mehr, bei denen vor Hitze die salzigen Bettlaken an einem Reiben w\u00e4hrend man schlaflos sich hin und her wirft, der Ankeralarm aufgrund von Winddrehern st\u00e4ndig einen aus dem tiefsten Schlaf rei\u00dft oder der Windgenerator nervt<\/li>\n\n\n\n<li>Nicht bei jedem Regen in der Nacht aufzuspringen, durchs Boot rennen und alle Luken schlie\u00dfen m\u00fcssen, um kurz danach wieder alles zu \u00f6ffnen, da man sonst vor Hitze nicht schlafen kann<\/li>\n\n\n\n<li>Internet. Auf einem Sofa. So schnell, dass man nicht beim \u00d6ffnen einer Seite einen ganzen Kaffee leert<\/li>\n\n\n\n<li>Wenn man neuen Kaffee braucht, einfach den Schrank zu \u00f6ffnen und nicht: Kinderbettgitter weg, 3 Matratzen hoch, Bettlaken und Pinkelbezug vorher runter, Brett beiseite, Luke zur Kiste auf und sich zwischen Matratze und Sitzbank mit Stirnlampe durchquetschen, Javik verscheuchen, w\u00e4hrend er den Kissenberg unter dem ich liege erklimmt, um festzustellen, dass der Kaffee in der Luke links daneben sein muss. Dann wieder alles zu machen und von vorne\u2026<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Und trotzdem wei\u00df ich, es wird nicht einmal f\u00fcnf Wochen dauern, da freue ich mich wieder auf unser kleines Schiffchen, das irgendwo in der Karibik in einer kleinen Marina in Curacao auf uns wartet. Unsere Insel, auf der wir bestimmen wann und wohin wir segeln. Ich freue mich wieder darauf, unter einem grandiosen Sternenhimmel in einer wunderbaren W\u00e4rme nackt auf dem Heck zu duschen, jederzeit ins kristallklare Wasser zu springen, abends noch mal schnell die Kinder ins Dinghi zu packen und an den Strand um die Ecke zu fahren, mit Javik endlos jeden Tag schwimmen zu \u00fcben, da wir einfach Zeit dazu haben, reichlich Fisch zu fangen und jeden Abend ein Barbecue am Strand mit Feuer veranstalten zu k\u00f6nnen, wochenlang nicht einkaufen m\u00fcssen, sich keine Gedanken um \u201ewas zieh ich an\u201c zu machen, da&nbsp; &#8211; wenn \u00fcberhaupt &#8211; die Badehose den Tag \u00fcber anbleibt, keine Schuhe tragen m\u00fcssen, jederzeit Schnorcheln gehen in einer faszinierenden Unterwasserwelt, das Gl\u00fccksgef\u00fchl nach einer mehrt\u00e4gigen Seeetappe wieder Land zu sehen und wieder Ruhe im Schiff zu sp\u00fcren, neue aufregende und interessante Menschen kennen zu lernen, jederzeit einfach drau\u00dfen sein zu k\u00f6nnen, den Wind, die Sonne und das Meer zu sp\u00fcren. Abenteuer erleben. Das sind die Dinge, warum wir hier sind und warum wir uns auch freuen, wieder zur\u00fcckzukommen. &nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber ein Jahr sind wir nun unterwegs, 8100sm sind wir in etwa in dieser Zeit gesegelt, 16 L\u00e4nder haben wir bereist, unz\u00e4hlige Str\u00e4nde gesehen, in 83 unterschiedlichsten Buchten geankert und das Boot in 27 H\u00e4fen vert\u00e4ut. Mal einsam, mal in Gesellschaft von vielen anderen Seglern unterschiedlichster Nationen. 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